{"id":157,"date":"2015-06-12T15:25:44","date_gmt":"2015-06-12T13:25:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.uebersetzungen-klein.de\/gk\/?p=157"},"modified":"2017-08-04T09:51:43","modified_gmt":"2017-08-04T07:51:43","slug":"geschlechtsneutrale-sprache-umfrage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uebersetzungen-klein.de\/gk\/geschlechtsneutrale-sprache-umfrage\/","title":{"rendered":"Geschlechtsneutrale Sprache &#8211; Umfrage"},"content":{"rendered":"<p>Die deutsche Sprache (wie auch die spanische, franz\u00f6sische, etc.) verwendet das sogenannte generische Maskulinum, d. h. mit der m\u00e4nnlichen Form ist die weibliche &#8222;mitgemeint&#8220;, z. B. die immer wieder gern herangezogenen Studenten. H\u00e4ufig wird dar\u00fcber debattiert, ob diese Regelung f\u00fcr Frauen diskriminierend ist und ge\u00e4ndert werden sollte, um die Gleichheit der Geschlechter voranzutreiben.<!--more--><\/p>\n<p>In der englischen (genderneutralen) Sprache tritt das Problem dagegen nicht auf. Dort gibt es \u00fcblicherweise keine Unterscheidung zwischen der m\u00e4nnlichen und weiblichen Form, z. B. eben &#8222;student&#8220;.<\/p>\n<p>In diesem Beitrag besch\u00e4ftige ich mich allein mit dem sprachlichen Aspekt, da ich als \u00dcbersetzerin \u00f6fter vor der Frage stehe, ob und inwieweit eine gendergerechte Sprache zu ber\u00fccksichtigen ist. Dabei will ich gar nicht abstreiten, dass Sprache Einfluss auf die Lebensrealit\u00e4t nehmen kann. Allerdings denke ich auch, dass genau das Gegenteil erreicht wird, wenn die Thematik ad absurdum gef\u00fchrt wird.<\/p>\n<h3>Binnen-I und Doppelnennungen<\/h3>\n<p>Mir pers\u00f6nlich widerstreben die meisten Kurzformen, allen voran das sogenannte Binnen-I (LehrerInnen), das laut Duden gar nicht den Rechtschreibregeln entspricht, aber dennoch h\u00e4ufig Verwendung findet. Auch die Varianten &#8222;\/-innen&#8220; oder &#8222;(-innen)&#8220; sind mir f\u00fcr den Textfluss einfach zu schwerg\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Doppelnennungen wie &#8222;Lehrer und Lehrerinnen&#8220; dagegen verl\u00e4ngern in der Sprachrichtung Englisch &#8211; Deutsch wiederum den Text in der Zielsprache und erh\u00f6hen damit den Preis der \u00dcbersetzung. Diese Form k\u00e4me daher nur auf ausdr\u00fccklichen Wunsch des Kunden zum Einsatz.<\/p>\n<h3>Einfluss des \u00dcbersetzers = Manipulation der Aussage?<\/h3>\n<p>Eine Kollegin hat in einem Artikel zu diesem Thema angemerkt, dass man als \u00dcbersetzer (tja, wie denn nun? \u00dcbersetzer\/-in?) die M\u00f6glichkeit habe, die Gesellschaftsstrukturen durch den bewussten Einsatz von \u00dcbersetzungsstrategien zu beeinflussen.<\/p>\n<p>Die Frage, die sich mir hier allerdings stellt, ist, ob ich damit nicht die Aussage und Intention des Ausgangstextes eigenm\u00e4chtig ver\u00e4ndere, die ich ja eigentlich, neben dem Textinhalt, in einer anderen Sprache wiedergeben soll? In diesem Fall scheint es mir erforderlich, sich sowohl mit dem Kunden, als auch mit dem Autor des Textes abzusprechen.<\/p>\n<h3>Das Partizip: Die Studentenkneipe wird zur Studierendenkneipe<\/h3>\n<p>Bleibt, neben einigen anderen Formen, wie dem Asterisk *, auf die ich hier nicht n\u00e4her eingehen will, da sie meiner Meinung nach noch weniger brauchbare Alternativen bieten, die Variante, ein Substantiv durch ein Partizip zu ersetzen, also: aus den Studenten werden Studierende.<\/p>\n<p>Das mag auf den ersten Blick eine gute L\u00f6sung sein, scheitert aber bereits an zusammengesetzten W\u00f6rtern (Komposita), bei denen mehrere Wortteile ersetzt werden m\u00fcssten. Zudem stelle ich mir unter einer Studentenkneipe eine gem\u00fctliche Spelunke vor, w\u00e4hrend mir die Studierendenkneipe doch recht steril und antiseptisch erscheint.<\/p>\n<p>Vor Kurzem habe ich in einer Massagepraxis ein Schild gesehen, in der die &#8222;Patienten&#8220; angesprochen wurden. Beim Arzt w\u00e4re noch das Ausweichman\u00f6ver auf &#8222;Kranke&#8220; denkbar, beim Masseur sind die Patienten nicht zwangsl\u00e4ufig krank. M\u00fcssten hier als die &#8222;zu Behandelnden&#8220; angesprochen werden? Und worauf w\u00fcrden Berufsbezeichnungen wie &#8222;Soldaten&#8220; hinauslaufen???<\/p>\n<p>Meiner Meinung nach muss Sprache lebhaft und ein lebendiger Austausch zwischen den Menschen sein, und es tut ihr nach \u00e4sthetischen Gesichtspunkten nicht gut, sie zu \u00fcberregulieren und in straffe Normen zu pressen. Ehrlich gesagt, habe ich auch gar keine Lust, jeden gesprochenen Satz erstmal im Kopf auf seine Political Correctness hin zu \u00fcberpr\u00fcfen. Wo bleibt denn da die Spontaneit\u00e4t?<\/p>\n<p>Nichtdeutsche Muttersprachler finden die deutsche Sprache eh schon h\u00e4ufig schwerg\u00e4ngig und sprechen ihr die Leichtigkeit und Lebensfreude ab. Da kommt es ihr sicher nicht zugute, wenn wir krampfhaft versuchen, bestimmte Bezeichnungen zu umgehen. Zumal die Pronomen dabei noch nicht einmal ber\u00fccksichtigt sind und die meisten L\u00f6sungen auch nur M\u00e4nner und Frauen ansprechen und diejenigen ausschlie\u00dfen, die sich keinem der beiden Geschlechter zugeh\u00f6rig f\u00fchlen.<\/p>\n<h3>Umfrage<\/h3>\n<p>Mich hat sehr interessiert, was die Frauen in meinem Umfeld von dieser Debatte halten, deshalb habe ich 11 von ihnen zu ihrer Meinung \u00fcber gendergerechte Sprache befragt. Dabei habe ich absichtlich keine \u00dcbersetzerkolleginnen angesprochen, sondern Frauen mit ganz unterschiedlichem privaten und beruflichen Hintergrund, Angestellte und Selbst\u00e4ndige aus den verschiedensten Bereichen, und interessante Antworten erhalten. Hier eine kurze Zusammenfassung:<\/p>\n<p>Keine der Befragten f\u00fchlte sich durch das generische\u00a0Maskulinum diskriminiert.\u00a0Eine Meinung lautete, dass das Thema in seinen Anf\u00e4ngen (80er\/90er Jahre) gut gedacht war, weil es gezeigt hat, wo \u00fcberall die m\u00e4nnliche Form dominiert, dass die Thematik aber mittlerweile einfach \u00fcbertrieben wird.<\/p>\n<p>Eine andere Meinung lautete, dass nicht von der Hand zu weisen ist, dass Sprache Wirklichkeit abbildet und\/oder das Bewusstsein pr\u00e4gt, die Diskussion selbst aber oft ziemlich &#8222;bescheuert&#8220; ist.<\/p>\n<p>Eine weitere Meinung war, dass die deutsche Sprache eh schon \u00fcberkorrekt ist.<\/p>\n<p>Eine der Befragten berichtete, dass es an\u00a0der Uni die Bezeichnung StudentX und ProfessX als genderunabh\u00e4ngige Bezeichnung gibt &#8211; hier treibt die Political Correctness also wirklich wilde Bl\u00fcten.<\/p>\n<p>Die meisten\u00a0nervt das angeh\u00e4ngte -Innen, und dass man als Schreiber viel Zeit damit verbringt, korrekte Formulierungen zu finden, und als Leser mehr Text lesen muss.<\/p>\n<p>Eine Befragte glaubte nicht, dass Sprache (oder die Quotenregelung) eine Ver\u00e4nderung herbeif\u00fchrt, und war stattdessen froh, ihren Job aufgrund ihrer Qualifikation und nicht aufgrund einer Quote bekommen zu haben.<\/p>\n<p>Bevorzugt wurde von mehreren Befragten die Variante, dass am Anfang eines Textes darauf hingewiesen wird, dass der besseren Lesbarkeit halber nur eine Form verwendet wird, mit der alle gemeint sind.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens richten sich der Bundesanzeiger wie auch das Bundesgesetzblatt nach dem Handbuch der Rechtsf\u00f6rmlichkeit, wo es hei\u00dft: &#8222;Geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen, die nichts \u00fcber das nat\u00fcrliche Geschlecht der bezeichneten Person oder Personen aussagen, verwirklichen die Forderung nach sprachlicher Gleichbehandlung von Frauen und M\u00e4nnern am besten. Sie sollten bevorzugt verwendet werden, um generische Maskulina zu ersetzen.&#8220; Dort lautet die Vorgabe: Wenn beide Geschlechte angesprochen werden, sollen immer beide Formen verwendet und ausgeschrieben werden, z. B. &#8222;Studentinnen und Studenten&#8220;.<\/p>\n<p>Informationen zur aktuellen Verdienstwirklichkeit finden sich im Blogbeitrag\u00a0<a href=\"http:\/\/www.uebersetzungen-klein.de\/gk\/gleiche-bedingungen-bei-geschlechtsneutraler-sprache\/\">Gleiche Bedingungen bei geschlechtsneutraler Sprache?<\/a><\/p>\n<p>Weitere Anregungen und Meinung sind herzlich willkommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Sprache (wie auch die spanische, franz\u00f6sische, etc.) verwendet das sogenannte generische Maskulinum, d. h. mit der m\u00e4nnlichen Form ist die weibliche &#8222;mitgemeint&#8220;, z. B. die immer wieder gern herangezogenen Studenten. 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